Denk weiter.

#14

Warum Zukunftsfähigkeit einen Systemblick braucht

Andere Rahmenbedingungen. Erstaunlich ähnliche Fragen.

Zukunftsfähigkeit im Unternehmen war nicht der Begriff, mit dem ich in diesem Sommer nach Barcelona gefahren bin. Das Thema war trotzdem in fast jedem Gespräch da.

Ich hatte mehrere Termine – im Mittelstand und in der Gründer- und Startupszene. Die lokalen und nationalen Rahmenbedingungen sind andere als bei uns. Manche Märkte funktionieren anders, Entscheidungen fallen unter anderen Voraussetzungen.

Die Fragen dahinter kamen mir allerdings sehr bekannt vor.

Wie entwickelt sich das Geschäft weiter? Wo entsteht neuer Druck? Welche Möglichkeiten sind noch nicht genutzt? Und was muss sich im Unternehmen verändern, damit aus einer Möglichkeit tatsächlich eine Perspektive wird?

Das fand ich interessanter als die Unterschiede. Denn es zeigt: Zukunftsfähigkeit ist kein deutsches Sonderproblem und auch keine Frage einer bestimmten Unternehmensgröße.

Zukunftsfähigkeit im Unternehmen ist kein Einzelprojekt

Zurück im Alltag zerlegen wir diese Fragen gerne wieder in einzelne Themen.

Digitalisierung bekommt ein Projekt. Vertrieb bekommt ein Ziel. An der Organisation wird gearbeitet, wenn Abläufe nicht mehr funktionieren.

Nur hält sich ein Unternehmen nicht an diese Sortierung.

Ein neues digitales Angebot kann die Positionierung verändern. Wachstum kann Entscheidungswege überfordern. Eine neue Leistung funktioniert vielleicht fachlich hervorragend und scheitert trotzdem daran, dass niemand geklärt hat, wie sie verkauft oder intern bearbeitet werden soll.

Das Problem liegt dann selten nur dort, wo es zuerst sichtbar wird.

Der Systemblick verändert die Frage

Systemblick heißt für mich nicht, aus jedem Thema ein Großprojekt zu machen.

Im Gegenteil. Er hilft dabei, genauer zu entscheiden, wo man überhaupt anfangen sollte.

Wenn der Umsatz stagniert, kann ein Vertriebsproblem dahinterstecken. Vielleicht passt aber auch das Angebot nicht mehr gut genug zum Markt. Oder das Unternehmen könnte mehr verkaufen, schafft die zusätzliche Leistung intern nur nicht zuverlässig.

Wer sofort am sichtbaren Symptom arbeitet, kann viel Energie in eine Lösung stecken, die am eigentlichen Engpass vorbeigeht.

Deshalb gehört zur Priorisierung eine zweite Frage: Was löst diese Veränderung an anderer Stelle aus?

Genau dafür gibt es den Future fitness circle

Der Future fitness circle ist für mich kein Themenkatalog, den ein Unternehmen vollständig abarbeiten soll.

Er zwingt den Blick über die einzelne Baustelle hinaus. Geschäftsmodell, Wachstum & Positionierung, Digitalisierung & KI, Nachhaltigkeit, Organisation sowie Kultur & Leadership stehen nicht unabhängig nebeneinander.

Wenn sich an einer Stelle etwas bewegt, lohnt sich der Blick auf die anderen.

Nicht überall muss daraus eine Maßnahme werden. Aber die Wechselwirkung sollte gesehen werden, bevor aus einer guten Einzelentscheidung das nächste Problem entsteht.

Barcelona war dafür keine Blaupause

Aus den Gesprächen in Barcelona habe ich kein Modell mitgebracht, das man hier einfach kopieren könnte. Genau darum ging es auch nicht.

Spannend war etwas anderes: Trotz anderer Bedingungen beschäftigen Unternehmen viele vergleichbare Fragen. Zukunft und Perspektive. Druck auf das Bestehende. Möglichkeiten, die vorhanden sind, aber erst einmal erkannt und ausgebaut werden müssen.

Die Antworten darauf sind lokal. Die Notwendigkeit, Zusammenhänge zu sehen, ist es deutlich weniger.

Denk weiter.

Zukunftsfähigkeit im Unternehmen beginnt für mich deshalb nicht mit der Frage, welches Thema als Nächstes modern oder dringend wirkt.

Interessanter ist: Wo liegt gerade der Hebel – und was verändert sich mit, wenn du ihn bewegst?

Welches Problem behandelst du gerade als Einzelthema, obwohl es längst an mehreren Stellen deines Unternehmens wirkt?