Denk weiter.

#09

Eigentlich wissen wir längst, was nicht mehr trägt.

Das Wissen ist häufig schon da

Wir wissen, dass ein Kunde zu viel Gewicht bekommen hat. Oder dass jede wichtige Entscheidung wieder bei derselben Person landet. Oder dass ein Angebot zwar Umsatz bringt, aber nicht mehr zu der Richtung passt, in die sich das Unternehmen entwickeln soll. Oder dass wir für die Weiterentwicklung unseres Geschäfts seit Monaten angeblich nur noch den richtigen Zeitpunkt brauchen.

Meist fehlt uns an dieser Stelle keine weitere Analyse. Die Beobachtung ist längst ausgesprochen, vielleicht sogar mehrfach. Nur eine Konsequenz hat sie bisher nicht. Genau das ist das eigentliche Problem: der Abstand zwischen einer Erkenntnis und dem, was wir daraus machen.

Solange es noch funktioniert

Genau darin liegt das Risiko: Der Kunde zahlt, das Angebot verkauft sich weiterhin und die Entscheidungen werden am Ende doch getroffen. Also lässt sich diese Unstimmigkeit noch eine Weile aushalten. Von außen betrachtet läuft der Betrieb schließlich.

Oft nennen wir das pragmatisch. Manchmal ist es das auch. Häufig kaufen wir uns damit aber nur Zeit, ohne sie tatsächlich zu nutzen. Das, was nicht mehr trägt, verschwindet nicht dadurch, dass es im Alltag noch keine sichtbare Krise auslöst.

Ich halte das für gefährlich. Was heute noch funktioniert, kann längst die falsche Richtung stabilisieren. Der wichtige Kunde wird noch wichtiger. Die Entscheidungsschleife über dieselbe Person wird zur Gewohnheit. Und in das Angebot, das eigentlich nicht mehr passt, fließen weiter Zeit und Aufmerksamkeit, weil es eben noch Umsatz bringt.

Wer erst handelt, wenn es nicht mehr anders geht, entscheidet nicht spät. Er reagiert. Ein Teil des Gestaltungsspielraums ist dann bereits verloren.

Ein unbequemer Satz verändert die Frage

Unternehmerische Klarheit beginnt manchmal mit einem unbequemen Satz: So wie bisher soll es nicht weiterlaufen.

Das ist noch keine Lösung. Aber der Satz beendet das Ausweichen und verändert die Frage. Aus „Müssten wir irgendwann einmal?“ wird „Was prüfen oder entscheiden wir als Nächstes?“ Plötzlich geht es nicht mehr darum, ob das Thema wichtig genug ist. Es geht darum, welche Konsequenz wir ihm geben.

Solange dieser Satz nicht ausgesprochen wird, bleibt fast jede weitere Überlegung unverbindlich. Man kann noch eine Auswertung abwarten, das nächste Quartal beobachten oder auf einen ruhigeren, vermeintlich besseren Zeitpunkt hoffen. Nur: Ein ruhigerer Zeitpunkt ist im unternehmerischen Alltag erstaunlich selten eingeplant.

Der nächste Schritt muss kein Großprojekt sein

Nicht jede Erkenntnis verlangt sofort ein großes Projekt. Manchmal genügt es, eine Abhängigkeit sauber zu beziffern. Oder eine Entscheidung ausdrücklich zu treffen, statt sie wieder in die nächste Besprechung zu verschieben. In anderen Fällen braucht es einen begrenzten Test, der zeigt, ob eine andere Lösung im Alltag überhaupt trägt.

Wir machen notwendige Konsequenzen gern größer, als sie sein müssten: Wenn wir das angehen, dann richtig: Mit Konzept, Projektplan und ausreichend Zeit. Weil aber genau diese Zeit gerade fehlt, bleibt alles, wie es ist. Das klingt vernünftig und kann trotzdem eine sehr elegante Form des Vertagens sein.

Der erste Schritt darf klein sein. Nur beliebig darf er nicht sein. Er muss etwas klären oder verändern, einen Verantwortlichen haben und einen Zeitpunkt, an dem wir auf das Ergebnis schauen. Sonst ist er keine Konsequenz, sondern nur eine weitere Beschäftigung mit einem längst bekannten Thema.

Denk weiter.

Welcher Gedanke ist in deinem Unternehmen längst klar, bleibt aber bisher ohne Konsequenz?
Und was müsste morgen konkret anders sein, wenn ihr ihn wirklich ernst nehmt?